Auf dem Foto sieht man den Hallstättersee aus der Vogelperspektive (Foto: Viorel Munteanu)

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Die „Transmigration“ der Evangelischen nach Siebenbürgen

Vor über 285 Jahren, im Juli 1734, begann die Transmigration zahlreicher evangelischer Familien aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen. Hier die Hintergründe und Verursacher. 

Wie war es zur Transmigration gekommen?

Trotz eifrigstem Bemühen war es den im Sinne der Gegenreformation amtierenden Religionskommissionen, insbesondere im Raum Bad Ischl, Bad Goisern am Hallstättersee, Hallstatt und Gosau am Dachstein, nicht gelungen, das Luthertum auszurotten. Um diesen Zuständen ein vermeintliches Ende zu bereiten, reiste der Gmundner Salzamtmann Ferdinand Friedrich Graf Seeau im Sommer 1733 nach Hallstatt und bot den aus Bad Goisern, Gosau, Lauffen, Bad Ischl und Hallstatt herbeigeeilten evangelisch gesinnten Bewohnern die „freiwillige“ Auswanderung in protestantische Länder an, wobei die Salzkammergutler vor allem an jene deutschen Gebiete dachten, in die anno 1731 die evangelischen Salzburger gezogen waren.

Als sich fast 1 200 Personen für die Auswanderung entschieden, befürchtete man in Wien eine Entvölkerung der Gemeinden im oberen Salzkammergut. Es wurde alsbald bekannt gemacht, dass der Salzamtmann seine Zusage ohne Wissen des Kaisers und des Landeshauptmannes gemacht hätte und dass sie daher null und nichtig sei. Bald danach kam eine Religionskommission, überprüfte die Passwerber und beschimpfte sie als

„Irrgläubige, die selbst nicht wüssten, was sie glaubten und es wäre kein Einziger unter ihnen, der einen vollkommenen Begriff von der lutherischen Lehre hätte!“

Als Irrgläubige stünde ihnen daher kein Auswanderungsrecht zu.

Kaiser Karl VI. veranlasste die Zwangsverschickung

Kaiser Karl VI., der auch die Zustimmung der „unkatholischen Potenzen, Churfürsten und Stände“ zur Sicherung der Erbfolge für seine Tochter Maria Theresia brauchte, wollte die evangelischen Fürsten in Deutschland nicht verärgern und ließ daher die Zwangsverschickung evangelischer Familien aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen vorbereiten.

Denn dort war seit der Reformationszeit das Augsburgische Bekenntnis von der siebenbürgisch-sächsischen Nation angenommen und im Jahre 1691 durch Kaiser Leopold I. neben dem römischen-katholischen Bekenntnis öffentlich-rechtlich anerkannt worden. Während die zur ungefähr gleichen Zeit aus Kärnten verschickten Evangelischen ihre Kinder zurücklassen mussten, durften die Leute aus dem Salzkammergut alle ihre leiblichen Nachkommen nach Siebenbürgen mitnehmen, ihre verlassenen Häuser wurden verkauft und ihnen der Erlös nach Abzug der gesetzlichen Steuern nach Siebenbürgen nachgesandt.

Der für den 29. Juni 1734 geplante erste Transport nach Siebenbürgen konnte wegen Hochwasser erst am 4. Juli stattfinden. Die vier Traunschiffe mit den von Soldaten eskortierten Evangelischen fuhren von Steeg am Hallstättersee aus Traun abwärts. Als sich die Schiffe bereits auf der Donau befanden, wurden auch die schon vorher inhaftierten und nach Linz deportieren „Rädelsführer“ der Transmigranten in den Transport einbezogen. Somit befanden sich den vier „Siebener-Zillen“ insgesamt 56 Familien mit 259 Personen, von denen die meisten aus Bad Goisern und Hallstatt stammten.

Am Tag darauf übernahm in Korneuburg der Deputierte der Siebenbürgischsächsischen Nation auf Befehl des Kaisers Karl VI. den Transport. Er erklärte den Deportierten, dass sie in den beiden Dörfern Großau und Neppendorf, eine Stunde von Hermannstadt entfernt, angesiedelt werden sollten und dass in den beiden Dörfern nur die Augsburgische Konfession und die „altdeutsche Sprache“ in Gebrauch seien. Diese Dörfer seien durch den Kuruzenkrieg und durch die Pest stark entvölkert worden, sodass dort genügend Ackerland für die neuen Einwanderer zur Verfügung stünde.

Diesem ersten Transport folgten von 1734 bis 1736 weitere Transmigrationen, wobei insgesamt 624 Evangelische aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen gebracht wurden.

 

Die Aufteilung der Evangelischen Salzkammergutler

440 von ihnen wurden in Neppendorf, 73 in Grossau und der Rest in anderen Orten angesiedelt. 387 Transmigranten stammten aus der Pfarre Bad Goisern, 122 aus Hallstatt, 82 aus Bad Ischl, 27 aus Gosau und 6 aus Lauffen.

Von 1737 an hörten die Austreibungen aus dem Salzkammergut gänzlich auf. Die ungewohnten klimatischen Bedingungen, Brechruhr und andere Seuchen forderten von den eingewanderten Salzkammergütlern einen hohen Blutzoll, besonders unten den älteren Leuten gab es viele Sterbefälle, die sich in der neuen Heimat schwer angewöhnen konnten. In dem Buch „Die Landler in Siebenbürgen“ von E. Buchinger, München 1980, ist eine Statistik enthalten, nach der in den ersten 18 Monaten nach der Einreise ungefähr ein Viertel der Salzkammergütler verstarb. Doch fügte der Autor hinzu: „Aber die große Zahl der mitgebrachten Kinder und die übrigen günstigen Voraussetzungen sicherten den Ansiedlungen in Grossau und Neppendorf den Bestand“.

Die in den Jahren 1734 durchgeführten Ansiedlungen aus dem Salzkammergut in Siebenbürgen fanden mehr als zweihundert Jahre danach ihre Gegenstück in dem Flüchtlingsstrom des Zweiten Weltkrieges, der sich in entgegengesetzter Richtung von Siebenbürgen nach Westen wälzte. Dabei wurde ein beträchtlicher Teil von deutschsprechenden Siebenbürgen in Oberösterreich sesshaft, trug wesentlich zur Gründung neuer evangelischer Kirchengemeinden bei und ließ die Zahl evangelischer Familien in Oberösterreich erheblich ansteigen.

 

Text von Karl Pilz (Goiserer Kurzeitung, Juli 1984)

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