Warum das Trailcenter-Projekt für Familien in Bad Goisern nicht umgesetzt wird
Warum der Standort Maiswald gewählt wurde
Der Maiswald wurde nicht zufällig als möglicher Standort gewählt, sondern aufgrund mehrerer klarer Standortvorteile. Die unmittelbare Nähe zum Ortszentrum von Bad Goisern ermöglicht eine einfache und niederschwellige Erreichbarkeit – sowohl für Gäste als auch für Einheimische. Gleichzeitig bietet die Topografie des Gebiets ideale Voraussetzungen für ein vielfältiges Trailangebot: gleichmäßige Hanglagen und moderates Gefälle schaffen insbesondere für Einsteiger/innen und Familien geeignete Bedingungen.
Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Nähe zum Bahnhof, wodurch eine klimafreundliche Anreise direkt ins Gebiet möglich wäre. Darüber hinaus ist der Maiswald kein ungenutzter Raum, sondern seit Jahrzehnten Teil der lokalen Freizeitkultur.
Bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren wurde das Gebiet unter anderem für den sogenannten Donau Parcours genutzt. Auch heute zeigt sich eine bestehende Nutzung: Kinder und Jugendliche aus Bad Goisern halten sich regelmäßig im Wald auf, bauen einfache Sprünge und nutzen das Gelände. Die Standortwahl basierte somit auf der Kombination aus Erreichbarkeit, Geländequalität und bestehender Nutzung – mit dem Ziel, diese Nutzung in geordnete, legale und nachhaltige Bahnen zu lenken.
Ein Projekt mit breiter Abstimmung
In der Folge wurde der Dialog mit allen relevanten Stakeholdern gestartet:
- der Gemeinde
- der Gemeindejagd
- den Österreichischen Bundesforsten
- sowie die Einforstungsgenossenschaft Bad Ischl
- Agrarbezirksbehörde Gmunden
- Anrainern
Seitens der Gemeinde gab es grundsätzlich positive Signale. Auch die Bundesforste stellten als Grundeigentümer eine entsprechende Unterstützungserklärung für weitere Behördengänge aus. Die Gemeindejagd zeigte sich zu Beginn zurückhaltend, jedoch konnten in Abstimmung mit der Gemeinde mögliche Lösungen für den Fall einer Umsetzung erarbeitet werden.
Damit waren wesentliche Grundlagen für eine Weiterentwicklung des Projekts gegeben.
Der entscheidende Faktor: Einforstungsrechte
Der entscheidende Punkt des Projekts war die Lage im betroffenen Waldgebiet, das durch eine Vielzahl an Servitutsrechten geprägt ist. Das bedeutet: Neben Grundeigentümer/innen gibt es eine große Anzahl an Einforstungsberechtigten mit entsprechenden Nutzungsrechten.
Daher wurde frühzeitig das Gespräch mit der zuständigen Agrar Behörde sowie dem Einforstungsverband gesucht.
Diese Gespräche verliefen jedoch von Beginn an schwierig. Seitens der Behörde wurde klar kommuniziert:
Eine Umsetzung ist nur dann möglich, wenn eine Einigung mit den Servitutsberechtigten erreicht wird. Ohne diese Zustimmung wird kein Verfahren eingeleitet. Für eine Freistellung der Fläche gibt es in Bad Goisern schlicht zu wenig Ausgleichswaldfläche für die Servitutsberechtigen.
Intensive Bemühungen – ohne Ergebnis
Trotz dieser Ausgangslage wurde das Projekt nicht sofort eingestellt.
Im Gegenteil:
Es wurden über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere Gespräche geführt, Termine organisiert und konkrete Angebote an die Einforstungsberechtigten formuliert. Auch im Frühjahr 2026 wurde das Projekt nochmals im Rahmen einer Einforstungsversammlung vorgestellt. Hier wurde auch angeboten das der Tourismusverband die Holzernte für entsprechende Einforstungsberechtigte organisiert und so die Fläche für ein verkleinertes Trailcenter Maiswald genutzt werden könnte ähnlich wie es in Obertraun bei der Trail Area der Fall ist.
Besonders hervorzuheben ist dabei die ehrliche und aufrichtige Unterstützung durch den Vorsitzenden der Einforstungsgenossenschaft Bad Ischl, Herbert Kieninger, der den Dialog aktiv begleitet hat und für jegliche Fragen zur Verfügung stand.
Dennoch zeigte sich in der Praxis ein klares Bild:
Es kam zu keiner belastbaren Rückmeldung und zu keiner Zustimmung aus dem Kreis der Einforstungsberechtigten. Zudem gibt es keine Kontaktmöglichkeit dieser seitens der Agrarbehörde, erst wenn ein Verfahren eingeleitet wird. Was die Behörde erst nach der Zustimmung der Berechtigen macht.
Klare Realität statt falscher Erwartungen
Damit war die Situation eindeutig:
Ohne Zustimmung der Servitutsberechtigten ist eine Umsetzung rechtlich und praktisch nicht möglich. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass das Projekt in der aktuellen Form von dieser zentralen Anspruchsgruppe nicht mitgetragen wird.
Ein Projekt dieser Größenordnung braucht jedoch genau diese breite Akzeptanz – insbesondere in einem sensiblen Raum wie dem Wald, in dem unterschiedliche Nutzungen aufeinandertreffen.
Hier gibt es auch für die Freizeitaktivität Mountainbiken keine nachhaltige Rechtsgrundlage mit Verweis auf das Forstgesetz 1975.
Entscheidung zur Einstellung des Projekts?
Vor diesem Hintergrund muss die Entscheidung getroffen werden, das Projekt nicht weiterzuverfolgen.
Diese Entscheidung ist kein Scheitern oder Verhindern einzelner Beteiligter, sondern das Ergebnis eines klaren Prozesses:
Wenn die notwendige Zustimmung nicht erreicht werden kann, ist es konsequent, Projekte nicht gegen bestehende Strukturen umzusetzen und weiterzuverfolgen.
Was bleibt
Auch wenn dieses konkrete Projekt nicht realisiert wird, bleiben wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung von Bike-Angeboten im Salzkammergut.
Deutlich geworden ist, dass Projekte im Naturraum eine frühzeitige, umfassende und ernsthafte Einbindung aller Anspruchsgruppen brauchen, jedoch ist diese Einbindung kein Garant für einen positiven Projektabschluss. Das ist in diesem Fall geschehen. Ebenso zeigt sich, dass Servitutsrechte gerade im Salzkammergut ein wesentlicher Faktor jeder Projektentwicklung sind. Der Dialog mit Grundeigentümer/innen, Nutzungsberechtigten, Behörden und weiteren Beteiligten ist daher nicht nur begleitend wichtig, sondern eine grundlegende Voraussetzung.
Diese Darstellung soll ausdrücklich keine Schuldzuweisung an einzelne Beteiligte sein. Ziel ist vielmehr, transparent aufzuzeigen, von welchen Rahmenbedingungen, Hürden und Abwägungen Projekte dieser Art geprägt sind. Gerade im Salzkammergut bestehen Besonderheiten, auf die in der Entwicklung touristischer Infrastruktur Rücksicht genommen werden muss und die auch zu respektieren sind.
Dazu zählen gewachsene Rechte, traditionelle Nutzungsformen und ein sensibler Natur- und Kulturraum, der die Region seit Generationen prägt. Genau diese Besonderheiten sind Teil der Identität des Salzkammerguts. Sie machen die Region unverwechselbar und tragen auch zu jener Lebensfreude bei, die das Salzkammergut auszeichnet.
Die Nachfrage nach attraktiven Bike-Angeboten ist weiterhin hoch und wird auch künftig ein wichtiges Thema für die Region bleiben. Der Weg dorthin kann jedoch nur dann funktionieren, wenn er gemeinsam getragen wird.
Zur weiteren Transparenz wird auch die Projektentwurfsplanung offengelegt. Festzuhalten ist zudem, dass das Trailcenter im weiteren Verlauf nur noch in stark reduzierter Form – mit rund 30 Prozent des ursprünglich angedachten Umfangs – weiterverfolgt worden ist.
Kontakt & Service
Tourismusbüro Bad GoisernKirchengasse 4
4822 Bad Goisern am Hallstättersee
Telefon +43 6132 26909 - 400
E-Mail badgoisern@salzkammergut.at
Das ortskundige Urlaubsberater-Team im Tourismusbüro Bad Goisern - Petra Wallner, Nina Wallner, Ulli Hillbrand und Julia Friedl - steht dir gerne für Auskünfte rund um einen Aufenthalt im Goiserertal zur Verfügung!
